Sonntag, 8. November 2009

Magerwahn im Hirn

Vor einigen Wochen verbreitete bereits Michael Mirsch, ein Journalist und Achse des Guten-Autor, den ich bis dahin für recht intelligent gehalten hatte, die These, die Ursache für den derzeitigen Mager-Modell-Wahn sei die Homosexualität vieler Modedesigner.
Wer nicht mit Frauen ins Bett geht, mag seine Kleiderständer gerne dürr und unerotisch.

Anja Gockel, Mainzer Modedesignerin, legte in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung am 06.11.09 nach:

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Neue OZ: Warum gibt es denn noch immer so viele Magermodels, auch wenn sich scheinbar alle darüber aufregen?
Anja Gockel: Ich sehe drei Gründe für das Problem: Der wichtigste ist, dass die meisten und wichtigsten Modedesigner homosexuell sind. Ein Modedesigner kann wie jeder andere Mensch auch nur von sich selbst ausgehen. Das mache ich auch so. Und das Idealbild eines homosexuellen Mannes ist eine knabenhafte Figur. Das Idealbild einer lesbischen Frau ist meistens eine androgyne Figur. Diese Figur projizieren sie auf die Frauen, die ihre Models sind. Deshalb dürfen die Models nicht zu viel Busen und nur wenig Hüfte haben. Alles Volumige ist für sie unerotisch, nicht akzeptabel.
Neue OZ: Nennen Sie mal ein Beispiel.
Anja Gockel: Karl Lagerfeld sagt öffentlich, Heidi Klum sei für ein Model zu dick. Da kann ich nur sagen: Lieber Karl Lagerfeld, krieg mal vier Kinder und sei so bildschön wie eine Heidi Klum. Lagerfeld ist homosexuell, und ich vermute mal ganz stark, dass er diese knabenhafte Figur als Ideal empfindet. Das soll er auch. Aber dass die Gruppe von Menschen, die dieses Bild im Kopf hat, so relevant für das Idealbild unserer Gesellschaft ist, dem unsere 14-jährigen Mädchen nacheifern, finde ich gefährlich.
Neue OZ: Fehlen noch zwei weitere Gründe.
Anja Gockel: Der zweite Grund ist dieser Jugendwahn. Dünn zu sein bedeutet in unserer Gesellschaft, jung zu sein. Und der dritte Grund, den Karl Lagerfeld übrigens auch einräumt, ist: Es muss immer etwas Unerreichbares geben. Ich finde: Unerreichbares nein – Ideale ja. Aber was ist mein Ideal? Etwa das Model, das fast im Krankenhaus liegt, um wiederbelebt zu werden? Oder ist mein Ideal eine Heidi Klum, die dabei noch vier Kinder kriegen kann? Ich kenne Models, die Wattebäuschchen gegen das Hungergefühl essen. Das ist doch nicht normal, das ist pervers. Wenn Mädchen so etwas tun, obwohl die Natur etwas anderes mit ihnen vorhat, fängt die Krankheit an.
Neue OZ: Aber warum wird solchen falschen Idealen denn nachgeeifert?
Anja Gockel: Weil es die Werbung transportiert. Welche großen Modedesigner kennen wir? Da gibt es Dolce & Gabbana, Marc Jacobs, Jean Paul Gaultier, Jil Sander, John Galliano, Giorgio Armani, Karl Lagerfeld – sie sind alle homosexuell. Dagegen habe ich ganz bestimmt nichts, aber es ist schade, wenn ihr Idealbild, dass sie über ihre Models transportieren, so viel Einfluss in der Gesellschaft gewinnt. Wenn eine meiner drei Töchter nur wegen dieser Anzeigen und der Vorgaben magersüchtig wird, dann wäre ich zutiefst erschüttert. Das ändert nichts daran, dass diese Designer hochintelligente Menschen sind, die mit ihrer Kreativität eine Bereicherung unserer Kultur sind. Sie sind Ausnahmetalente, die man in einem Jahrhundert nur ein paar Mal erlebt. Aber sie sind keine Götter, so viel weiß ich.

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Auch die Welt, die offenbar sehr gerne homophoben Mist wiederkäut, hielt Frau Gockels Thesen für gehaltvoll genug, um sie ein weiteres Mal zu veröffentlichen.
Liebe Frau Gockel,
zu Ihren Thesen ist anzumerken:

1. Sie sagen, jeder Designer könne nur von sich selbst ausgehen. Das hieße, so wie Sie es gesagt haben, Männer könnten nur für Männer und Frauen nur für Frauen Mode entwerfen. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Jeder der als Mode- oder auch Industriedesigner oder z.B. auch als Architekt tätig ist, muss in der Lage sein, sich in den Kunden hinein zu versetzten. Gerade der Blick von Außen kann wichtige Impulse liefern.
2. Weiterhin behaupten Sie, das Idealbild des schwulen Mannes sei eine knabenhafte Figur. Ich weiß nicht, wie viele schwule Männer Sie kennen. Vermutlich gar keine. Sonst wüssten Sie vielleicht, dass ein Unterschied zwischen Homosexualität und Pädophilie besteht. Das lesbische Frauen nicht für weibliche Rundungen zu begeistern seien ist ein ebenso unsinniges, homophobes und dämliches Klischee. Nebenbei: Schwule Modedesigner gab es auch schon vor dem aktuellen Magerwahn.
4. Sie behaupten, Magersucht entstünde, weil die Werbung bekannter Modedesigner falsche Ideale transportiere und weil die meisten bekannten Designer homosexuell seien.
Zunächst einmal: Die Modebranche besteht nicht nur aus homosexuellen Designern. Sondern auch aus jeder Menge heterosexueller Frauen und Männer, sei es als Mitarbeiter oder Eigner der Modehäuser, durchaus auch als Designer, als Modejournalisten oder Redakteure der Modezeitschriften, als Zuschauer an den Laufstegen, als Käufer der gezeigten Entwürfe.
Schließlich die Models: Wer über einen Laufsteg läuft, um Mode zu präsentieren, ist kein hirn- und willenloses Subjekt. Es dürfte niemand gezwungen werden, für Chanel zu laufen. Auch ein Model ist ein Mensch mit einem gewissen Maß an Eigenverantwortung. Sollten die Models noch minderjährig sein, gibt es Eltern die die Pflicht und Aufgabe haben, auf das Wohlergehen ihrer Kinder zu achten. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell man andere Menschen entmündigt und die Eigenverantwortung auf andere abwälzt.
Darüber hinaus darf bezweifelt werden, dass die Designer tatsächlich einen so großen Einfluss haben, wie von Ihnen dargestellt. Man kann die großen Modehäuser für den Magerwahn kritisieren. Doch Karl Lagerfeld und Giorgio Armani haben nicht die Macht und den Einfluss der Gesellschaft vorzuschreiben, ob dick oder dünn als Schönheitsideal zu gelten haben. Schönheitsideale haben sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Ob dabei dick oder dünn als chic gilt, hat viel mit der wirtschaftlichen Situation der Menschen zu tun. Die Mode stellt dabei immer nur ein Abbild der Zeit und ihrer Möglichkeiten dar.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

I Say A Little Prayer



Jason Whipple

Samstag, 19. September 2009

Elektromania

Schon seit einiger Zeit versuchen uns Journalisten das Elektroauto als die Zukunftstechnologie schlechthin zu verkaufen, die deutsche Autoindustrie verschlafe die Zukunft, weil sie noch kein elektrisch angetriebenes Serienauto vorweisen kann.
Die diesjährige IAA, so ist im Moment überall zu hören, stehe voll im Zeichen des elektrischen Antriebs.
Wie toll. Wenn man unseren investigativen Schreiberlingen Glauben schenkt, sind all unsere Umweltprobleme gelöst! Billiger als Benzin ist der Strom auch noch.
Mir stellen sich beim Elektroauto immer einige Fragen, die bisher eigentlich niemand beantworten kann:
1. Während Elektroheizungen für Gebäude über die Energieeinsparverordnung wegen des geringen Wirkungsgrads und der schlechten Umweltbilanz allmählich ausgemustert werden sollen, gelten elektrisch betriebene Autos plötzlich als der Weisheit letzter Schluss. Doch auch bis der Strom im Auto ankommt, ist ein großer Teil der Energie bereits durch geringe Wirkungsgrade von Kraftwerken und Leitungsverluste verloren.
Dazu kommen dann vermutlich weitere Verluste, etwa durch die Selbstentladung von Akkus. Doch selbst wenn man diese Verluste und den schlechten Wirkungsgrad elektrischer Energie akzeptiert - wo soll der Strom für die Autos herkommen?
Die 0,67 % Solarstrom, die in Deutschland dank milliardenschwerer Förderung über das EEG in Deutschland inzwischen produziert werden, dürfte für den umweltfreundlichen Antrieb kaum ausreichen. Selbst wenn die erneuerbaren Energien zügig weiter ausgebaut werden - es dürfte noch eine ganze Weile dauern, bis wir wenigstens die derzeit noch betriebenen deutschen Atomkraftwerke durch umweltfreundliche Energien ersetzen können. Sollen bis 2015, wie von der Bundesregierung vorgesehen, tatsächlich 1 Millionen Elektroautos unterwegs sein, dürfte die Energie dafür vor allem aus Kohle- oder aus französischen und osteuropäischen Atomkraftwerken stammen.
2. Woher soll eigentlich das Lithium für die vielen Akkus kommen? Wie auch der Spiegel jüngst berichtete: Fast 80 % des derzeit geförderten Lithiums stammt aus einem Salzsee in Chile, daneben gibt weltweit noch zwei weitere größere Lithium-Vorkommen, die jedoch wesentlich schwerer und vermutlich nur mit großen Umweltschäden auszubeuten sind.
Die dabei erreichbaren Fördermengen reichen trotzdem nicht für eine wirkliche Massenproduktion von Akkus für Elektroautos aus. Ohne komplett neue Akku-Technologien wird das Elektro-Auto auf absehbare Zeit daher nur ein teures Nischenprodukt für einen eng begrenzten Anwendungsbereich bleiben.
Was bei vielen Studien für Elektroautos auffällt: Die Dinger sehen aus wie normale Mittelklasse- oder gar teure Sportwagen.
Die kurz- und mittelfristige Lösung für die Mobilität dürfte ganz anderes aussehen, wesentlich weniger sexy:
Kleine, ähnlich wie Flugzeuge wirklich gewichtsoptimierte, leichte Fahrzeuge, ausgestattet mit effizienzoptimierten Verbrennungsmotoren. Aber das lässt sich natürlich weder zu einer großen Story aufblasen, noch könnte ein grüner OB damit medienwirksamen Wahlkampf betreiben.

I ain't greedy baby all I want is all you've got

Es klingt nach einem verspäteten Aprilscherz, aber vermutlich meinen die das wirklich ernst:
Amerikanische Musik-Bosse möchten für die 30-sekündigen Hörproben z.B. bei iTunes zukünftig Geld kassieren.
Nicht nur das die Platten-Firmen den Beginn des Internetzeitalters komplett verschlafen haben, nein, sie haben bis heute nicht verstanden wie das Internet funktioniert. Bereits mit der Aufweichung des iTunes-Preismodells - alle Songs für 99 Cent - haben sie für sinkende Online-Verkäufe gesorgt. Doch jetzt wollen sie die ehrlichen Käufer von Downloads auch noch in illegale Tauschbörsen treiben. Für wie doof halten diese Typen uns Musikhörer eigentlich?
The Godfathers müssen an Musikmanager gedacht haben als sie sangen "I ain't greedy baby all I want is all you've got"!

Donnerstag, 17. September 2009

der zynische Freitag

Nachdem der Wahlkampf trotz Wirtschaftskrise erstaunlich fade vor sich hin dümpelte, kam durch die Bombardierung eines Tanklastzugs in Afghanistan plötzlich doch noch ein klein wenig Schwung in die Sache. Aber nicht nur Politiker, nein sogar Roger Willemsen und Inga Humpe entdecken Afghanistan für sich.
Auf einmal ist der Bundeswehreinsatz in Afghanistan zum Thema geworden. Die Sache ist natürlich schwer zu beurteilen. Kaum jemand war schon dort und könnte aus eigener Anschauung sagen, ob sich für die dort lebenden Menschen durch den deutschen Einsatz die Lage verbessert hat oder nicht.
25 mehr oder weniger bekannte Künstler oder Schriftsteller sind jedenfalls der Meinung, dass die Bundeswehr nichts zur Lösung der afghanischen Probleme beiträgt und unterzeichneten einen Aufruf der Zeitung "der Freitag", in dem gefordert wird, die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen und durch zivile Aufbauorganisationen zu ersetzen.
Das ist sicher gut gemeint, aber - vermutlich - etwas naiv.
Man kann aus den unterschiedlichsten Gründen gegen die militärische Intervention in Afghanistan sein. Dann sollte man aber auch so ehrlich sein und sagen: OK, wir haben hier in der Vergangenheit alles vermurkst, wir kriegens auch nicht wieder hin, überlassen wir die Afghanen ihrem Schicksal bzw. den Taliban.
Doch etwas ist an dem gut gemeinten Aufruf doch etwas verwunderlich. Was treibt Roger Willemsen, Inga Humpe, Friedrich Küppersbusch und andere dazu an, einen Aufruf zu unterzeichnen, in dem es heißt "Der Gegner ist keine Armee, sondern eine Kultur"?
Was für eine Kultur soll das sein, die da bekämpft wird? Ist die Zerstörung der afghanischen Kulturgeschichte, die Unterdrückung oder gar Hinrichtung von Frauen oder die Steinigung von Homosexuellen durch die Taliban eine Kultur?
Doch es kommt noch schlimmer. Nachdem der Aufruf in "der Freitag" heftig kritisiert wurde schrieb Jakob Augstein dann am 15.09.09 an gleicher Stelle:
"Der Universalismus der Menschenrechte droht unter den Bedingungen des globalen Kapitalismus leicht zum Kultur-Imperalismus zu werden."
Ich habe selten etwas so unglaublich dummes und zynisches gelesen. Wie sehr kann man all die Menschen, die nicht das Glück haben, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, verhöhnen? Dieser Satz ist ein Schlag in die Gesichter all jener Menschen, die in einem der vielen Staaten mit unterdrückerischen Regimen dafür kämpfen, wenigstens ein klein wenig der Freiheit zu erlangen, die für uns selbstverständlich ist.

Mittwoch, 16. September 2009

Und noch mehr israelische Musik



Hozer Elay - Metropolin feat. Ivri Lider

Just Ask

Die Berliner Polizei schützt neuerdings Aufmärsche von Islamisten und Neonazis durch ein Verbot hebräischer Schrift und israelischer Musik. Herr Wowereit, ist das die rot-rote Variante eines demokratischen Rechtsstaats?

Wie auch immer, jedenfalls ein Anlass, endlich mal wieder Ivri Lider zu hören!