Dienstag, 23. Dezember 2008

UNO der Religionen

In einem Interview mit dem Spiegel schlägt der Israelische Oberrabiner Jona Metzger eine „Uno der Religionen“ vor. Er sagt: „Den Diplomaten ist es nicht gelungen, der Welt Frieden zu bringen. Sie brauchen Hilfe. Und diese kann von der Sprache der Religion kommen“.

Gerade erst haben wir wieder einmal erlebt, dass sich die Religionen bereits der existierenden, nicht religiösen Uno ganz gut zu bedienen wissen.
Vor wenigen Tagen wurde die französische UN-Initiative zur weltweiten Entkriminalisierung von Homosexualität abgelehnt. Auch wenn sich Moslems und Christen sonst nicht sehr gut verstehen mögen, in Ihrem Wunsch weiterhin Schwule nach Belieben beschimpfen, bestrafen und töten zu können haben sowohl 59 islamische Staaten als auch die evangelikale Regierung der USA zusammengefunden, eifrig unterstützt vom Vatikan.
Israel hat übrigens für die französische Initiative gestimmt, so wie alle Staaten der EU.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Treiben der evangelischen Kirchen in Deutschland. Die scheinen ja manchmal etwas moderner und offener zu sein als die katholische Kirche. Doch der Schein trügt.
Vertreter des Weltkirchenrats verfassten bei einem „Dialog über friedliche Koeexistenz“ mit dem „Center for Interreligious Dialogue of the Islamic Culture and Relations Organization“ in Teheran ein Erklärung in der es heißt:

“Peaceful coexistence between Christians and Muslims should be based on their equal participation and shared responsibility towards society and each other. This includes recognizing and respecting one another’s religious and civil rights, and taking a common stand whenever the rights of religious communities are violated and whenever irresponsible media try to present a distorted image of any particular religion, offending its symbols and followers.”
(Siehe auch: „Weltkirchenrat wertet iranisches Regime auf“ von Alan Posener, Die Achse des Guten, und "Religion and peaceful co-existence", Ökumenischer Rat der Kirchen)

Mit anderen Worten: Kirchen lassen sich nicht gerne kritisieren, von Meinungs- und Pressefreiheit hält man nicht viel.
Was sich wiederum nahtlos an jenen berüchtigten Beschluss des UN-Menschenrechts anschließt, der die Diffamierung von Religionen verbietet.

Für die Sprache der Religion wiederum hat Benedikt XVI eben erst ein Beispiel abgeliefert, indem er Homosexualität mit der Zerstörung der Regenwälder verglich und Transsexuellen und Homosexuellen vorwarf, sie vernichteten Gottes Werk.
Die katholische Theologin Ranke-Heinemann spricht von einer „Drohbotschaft gegen Homosexuelle“ und erinnert daran das die Christen über eineinhalb Jahrtausende Homosexuelle verbrannt haben und das der Papst noch im Neuen Weltkatechismus von 1992 (!) lehrt, es sei besser die eigenen Töchter zur Vergewaltigung preiszugeben als homosexuelle Akte zuzulassen. Ranke-Heinemann: „ Die Geschichte der Homosexuellen im Christentum ist eine zu bittere Geschichte. Das Christentum hat, sobald es zur Macht kam, versucht, die Homosexuellen auszurotten.“

Vielleicht werden die Religionen ja irgendwann zu einem Teil der Lösung, derzeit scheinen sie eher Teil des Problems zu sein.
Dabei benennt Rabbi Metzger auch den Grund:
„Denn ein Muslim respektiert eine Person nicht, wenn sie säkular ist, er wird die Person nur respektieren, wenn sie religiös ist. Diese "Uno der Religionen" würde auch Hindus und Buddhisten einschließen. Wir Frommen sprechen dieselbe Sprache.“
Mangelnder Respekt ist das Problem, die Ursache für Kriege, Unterdrückung, Diskriminierung. Und zwar nicht nur bei Muslimen.
Solange sich die Menschen nicht unabhängig von Ihrer Geschichte, Hautfarbe, sexuellen Orientierung, Glauben oder auch Nicht-Glauben, politischen Ansichten oder Herkunft respektieren, solange wird es auch mit dem Frieden nichts werden.