Unter dem Titel "Für Freiheit und Selbstbestimmung -
gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände" ruft das "christliche Informationsforum Medrum" zur Unterzeichnung einer Erklärung zum Schutz der von Freiheit der Rede, der Wissenschaft und der Therapie auf.
Angeblich seien eben diese Freiheiten in Gefahr, weil sich diverse Politiker und Organisationen gegen die Beteiligung von Markus Hoffmann vom „Wuestenstrom e.V.“, und Dr. Christl Ruth Vonholdt vom „Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG)“ am 6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg einsetzen.
In der Erklärung heißt es:
(...)1. Niemand bestreitet die Würde von Menschen mit homosexueller Orientierung und ihre persönliche Freiheit, eine homosexuelle Lebensweise zu praktizieren. Es gibt aber Menschen, die unter ihrer sexuellen Orientierung leiden und therapeutische Hilfe suchen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen1) birgt praktizierte Homosexualität ein erhebliches gesundheitliches und psychisches Risiko. Dazu zählen überdurchschnittliche Anfälligkeit für AIDS, Geschlechtskrankheiten, Depression, Ängste, Substanzenmissbrauch (Alkohol-, Medikamente und Drogen) und Suizidgefährdung. Das müsste Grund genug sein, jenen, die sich kritisch mit Fragen homosexueller Lebensweisen befassen wollen oder therapeutische Hilfe suchen, diese Möglichkeit auch anzubieten.
Richtiger ist wohl, dass viele unter der Diskriminierung von homosexuellen Menschen leiden. Nahezu jeder homosexuelle Mensch wird in einer mehrheitlich heterosexuellen Umgebung sozialisiert. Wer dabei durch seine Mitmenschen, und insbesondere durch die eigene Familie und Freunde erfahren muss, das Homosexualität etwas negatives ist, wird große Probleme haben, die eigene Sexualität zu akzeptieren.
Interessant ist die Behauptung, Homosexualität führe zu einer Anfälligkeit für AIDS.
Nun gibt es zwar ein paar wenige Menschen, bei denen trotz HIV-Infektion auch nach langer Zeit kein AIDS ausbricht, dass aber weniger heterosexuelle Menschen mit HIV-Infektion an AIDS erkranken als homosexuelle HIV-Infizierte ist mir neu. Nimmt man die Anzahl an HIV-Infektionen als Maßstab, stimmt es, dass in den Industrienationen mehr homosexuelle als heterosexuelle Menschen mit HIV infiziert sind. Global betrachtet erweist sich jedoch eher ein heterosexueller Lebensstil als gesundheitliches Risiko.
Um herauszufinden, dass Ablehnung und Diskriminierung durch Familie und Gesellschaft zu Depressionen, Ängsten, Suizidgefährdung und Drogenmissbrauch führen können, dafür benötige ich keine wissenschaftliche Untersuchung. Das ist jedem halbwegs intelligenten Menschen auch so klar. Doch mit der Intelligenz scheint es bei den Verfassern der Marburger Erklärung nicht weit her zu sein.
2. Es ist ein Widerspruch, wenn durch die Gender-Mainstreaming-Bewegung propagiert wird, der Mensch könne und solle sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung (homo-, bi- oder transsexuell) frei wählen, andererseits aber die Möglichkeit zur Veränderung von der Homosexualität zur Heterosexualität geleugnet wird und konkrete therapeutische Angebote für Menschen, die eben dies anstreben, unterdrückt werden.
Da man den einzelnen Schwulen und die einzelne Lesbe so schlecht diskriminieren kann, ohne als Nazi dazustehen, haben christliche Fanatiker das "Gender-Mainstreaming" erfunden. Niemand, außer christlichen Fanatikern behauptet, man könne seine sexuelle Orientierung frei wählen. Man kann sich, wenn man in einer repressiven Gesellschaft leben muss, entsprechend verbiegen, glücklich wird man damit aber nicht.
Ein homosexueller Mensch, der in einer freien und toleranten Gesellschaft lebt, die ihn so akzeptiert und respektiert wie er ist, benötigt keine therapeutischen Angebote.
International ausgewiesene Wissenschaftler und klinische Therapeuten (u. a. Prof. Dr. Robert Spitzer, Columbia Universität, und die in der Organisation NARTH vertretenen Therapeuten) bezeugen mit ihrer Arbeit, dass Veränderung einer homosexuellen Neigung möglich ist. Niemand will einen Menschen zu einem solchen therapeutischen Weg drängen. Dass aber die Lesben- und Schwulenverbände die Möglichkeit eines solchen Therapieangebots, ja sogar die wissenschaftliche Information und Auseinandersetzung unterdrücken wollen, ist eine Missachtung der Wissenschaftsfreiheit, der Meinungsfreiheit, des Leidens der betroffenen Menschen und ihres Rechts auf Selbstbestimmung. Dies darf in einem freiheitlichen Staat nicht hingenommen werden!
Was hat es mit Wissenschaft zu tun, einer Gruppe von Menschen zu unterstellen sie sei krank (weil sie nicht in das eigene Welt- oder Gesellschaftsbild passt), und dann "Therapieangebote" für die erfundene Krankheit anzubieten? Nicht der Homosexuelle ist krank, sondern die Gesellschaft in der er lebt.
Nebenbei, gerade wir hier in Deutschland sollten wissen, wie die "Wissenschaft" zu grausamen Verbrechen gegen Menschen mißbraucht werden kann. Mit dem Verweis auf Wissenschafts- und Meinungsfreiheit lässt sich eben nicht alles Begründen.
Jeder sollte sagen können, was er denkt. Aber er muss eben auch mit der entsprechenden Antwort rechnen.
3. Wir protestieren dagegen, dass der LSVD mit unbewiesenen Behauptungen und verleumderischen Mitteln gegen „Wuestenstrom e.V.“ und das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft vorgeht und sie medial diskreditiert.
Der LSVD kann den "Wüstenstrom e.V." und das "Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft" garnicht medial diskreditieren. Das tun diese Vereine schon selber.
Man lese z.B. "Ein Irrweg fordert heraus" von Dr. Christl Ruth Vonholdt (http://www.christa-meves.de/main/Irrweg.pdf)
Was bitte hat Frau Vonholdt auf einem wissenschaftlichen Kongress zu suchen? Wenn die Universität Marburg das unter Wissenschaft versteht, sollten dieser Einrichtung sämtliche Forschungsgelder gestrichen werden.
Weiter im Text:
Durch Einschüchterung wird ein Klima der Angst erzeugt, das insbesondere Politiker, Journalisten, Wissenschaftler und Therapeuten zum Schweigen bringt.
Oh je, die armen. Wenn ich die beinahe täglichen Hasstiraden kirchlicher Würdenträger oder "christlicher" Politiker gegen Schwule so sehe, habe ich nicht den Eindruck, dass da irgendjemand eingeschüchtert wäre. Im Gegenteil, bis hinauf zum Papst fehlt diesen Menschen jegliches Gefühl für Anstand.
4. Die Lesben- und Schwulenverbände setzen ihre partikularen Interessen mit persönlichem und öffentlichem Druck, medialem Mobbing und Verleumdung durch. Mit einem deformierten Begriff der Menschenrechte wird versucht, die kritische Untersuchung der Risiken und Folgen praktizierter Homosexualität für den Einzelnen und die Gesellschaft als „Homophobie“ und „Hassrede“ zu kriminalisieren. Diese Fragestellungen sind aber weder von Intoleranz, noch neurotischer Angst oder gar von Hass geleitet, sondern von Verantwortung für die junge Generation und Sorge um die Zukunft der Gesellschaft.
Deformierter Begriff der Menschenrechte. Auf sowas muss man erst mal kommen. Anlässlich der weihnachtlichen Hassrede des Papstes gegen Homosexuelle sagte die katholische Theologin Ranke-Heinemann: Das Christentum hat, sobald es zur Macht kam, versucht, die Homosexuellen auszurotten" und die Christen hätten eineinhalb Jahrtausende "auf päpstlichen Befehl die Homosexuellen verbrannt". Heute unterstellt man uns Schwulen eine weltweite Verschwörung mit dem Ziel die Gesellschaft zu "homosexualisieren". Und versucht, wie bereits recht erfolgreich in den USA, ein gesellschaftliches Klima zu erzeugen, in dem Schwule und Lesben wieder offen diskrminiert und Schwulen und Lesben Bürgerrechte entzogen werden können.
Montag, 27. April 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)


1 Kommentare:
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie gerade die Schwulen und Lesben Szene Toleranz und Akzeptanz einfordert, jedoch offensichtlich andere Meinungen nicht stehen lassen kann und, wie in Marburg 2009 geschehen, aufs äußerste verunglimpft und bekämpft.
Auch dieser Beitrag enthält einiges an Unterstellung und Intoleranz.
Beispiele:
Doch mit der Intelligenz scheint es bei den Verfassern der Marburger Erklärung nicht weit her zu sein.
Wie kannst du so etwas behaupten, kennst du die Leute näher ?
Ein homosexueller Mensch, der in einer freien und toleranten Gesellschaft lebt, die ihn so akzeptiert und respektiert wie er ist, benötigt keine therapeutischen Angebote.
Sehr pauschale und vereinfachende Aussage auf Stammtischniveau. "Wenn alle mich akzeptieren bin ich automatisch gesund ?". Wenn es so einfach wäre, könnten wir die gesamte Traumatherapie, Psychotherapie, Suchtberatung, Lebenshilfe, was auch immer in die Tonne treten. Akzeptanz und Liebe ist essentiell, ohne Frage. Aber Therapie hat dennoch ihre Dasseinsberechtigung.
Beispiel: sehr viele psychische Probleme kommen daher, weil wir uns selbst nicht lieben und akzetpieren wollen/können. Selbst wenn mich die ganze Welt toll fände, könnte ich doch ein depressiver Mensch sein. Oder denken wir mal an die traumtisierten, usw. usw.
Nebenbei, gerade wir hier in Deutschland sollten wissen, wie die "Wissenschaft" zu grausamen Verbrechen gegen Menschen missbraucht werden kann
Das nenn' ich mal einen unfairen polemischen Vergleich. Wie kann man Verbrechen der Wehrmacht mit Wissenschaftlichen Ansätzen vergleichen, die tatsächlich das Ziel haben der Menschheit Wissen und Hilfe zu bringen ? Gegen Wissen ist nichts einzuwenden, oder sollen jetzt die Artikel Therapie und Seelsorge auf Hitler-Niveau erhoben und aus der Wikipedia totalitär gestrichen werden ? BTW: es starben auch sehr viele Christen wegen ihrer Überzeugung im KZ.
Jeder sollte sagen können, was er denkt. Aber er muss eben auch mit der entsprechenden Antwort rechnen.
Mir kommt es so vor, als dürften nur totalitäre Pro-Homosexuelle Äußerungen gemacht werden. Meinungsfreiheit lebt aber von der Kontroverse. Damit umzugehen ohne Agressiv und gewaltätig zu werden ist ein Zeichen von Reife und ein Pfeiler der Demokratie.
>Wenn ich die beinahe täglichen >Hasstiraden kirchlicher >Würdenträger oder "christlicher" >Politiker gegen Schwule so sehe
In welcher Zeit leben wir eigentlich ? Das war früher vielleicht mal so. Heute ist zumindest die evangelische Kirche sehr offen für Homosexuelle. Und die große Masse ist/war sicher nicht Hasserfüllt, sondern weiß nicht mit Homosexuellen umzugehen, bzw. hat Berührungsängste und leider oft Vorurteile.
Das Christen bzw. Menschen im Namen Christi in der Vergangenheit homosexuelle verfolgt und bekämpft haben, ist eindeutig negativ zu bewerten.
Hier stimmte ich uneingeschränkt zu.
Was ich aber bedrückend finde: in der jüngsten Vergangenheit scheint sich dieses Verhältnis ins Gegenteil umzukehren. Hasstiraden werden jetzt von homosexuellen pauschal auf alle Christen abgefeuert Zitat: "Wir wollen euere Gefühle verletzen".
Ein Schwein am Kreuz usw..
Soll das die Antwort sein ?
Ich hoffe nicht. Weder für die Homosexuellen, noch die Christen kann das ein Gewinn sein.
Es ist nur traurig, dass es schon so weit gekommen ist. Marburg 2009 bedrückt mich zutiefst.
An alle Schwulen / Lesben:
Ihr wollt akzeptiert werden und euere Würde bewahren ? Dann akzeptiert auch die der anderen, auch wenn die Meinungen so weit auseinander-driften.
Totalitäre Ansätze sind ein falscher Weg und ich bin entsetzt darüber wie demokratische Parteien diese Ansätze unterstützen.
Kommentar veröffentlichen