Nachdem der Wahlkampf trotz Wirtschaftskrise erstaunlich fade vor sich hin dümpelte, kam durch die Bombardierung eines Tanklastzugs in Afghanistan plötzlich doch noch ein klein wenig Schwung in die Sache. Aber nicht nur Politiker, nein sogar Roger Willemsen und Inga Humpe entdecken Afghanistan für sich.
Auf einmal ist der Bundeswehreinsatz in Afghanistan zum Thema geworden. Die Sache ist natürlich schwer zu beurteilen. Kaum jemand war schon dort und könnte aus eigener Anschauung sagen, ob sich für die dort lebenden Menschen durch den deutschen Einsatz die Lage verbessert hat oder nicht.
25 mehr oder weniger bekannte Künstler oder Schriftsteller sind jedenfalls der Meinung, dass die Bundeswehr nichts zur Lösung der afghanischen Probleme beiträgt und unterzeichneten einen Aufruf der Zeitung "der Freitag", in dem gefordert wird, die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen und durch zivile Aufbauorganisationen zu ersetzen.
Das ist sicher gut gemeint, aber - vermutlich - etwas naiv.
Man kann aus den unterschiedlichsten Gründen gegen die militärische Intervention in Afghanistan sein. Dann sollte man aber auch so ehrlich sein und sagen: OK, wir haben hier in der Vergangenheit alles vermurkst, wir kriegens auch nicht wieder hin, überlassen wir die Afghanen ihrem Schicksal bzw. den Taliban.
Doch etwas ist an dem gut gemeinten Aufruf doch etwas verwunderlich. Was treibt Roger Willemsen, Inga Humpe, Friedrich Küppersbusch und andere dazu an, einen Aufruf zu unterzeichnen, in dem es heißt "Der Gegner ist keine Armee, sondern eine Kultur"?
Was für eine Kultur soll das sein, die da bekämpft wird? Ist die Zerstörung der afghanischen Kulturgeschichte, die Unterdrückung oder gar Hinrichtung von Frauen oder die Steinigung von Homosexuellen durch die Taliban eine Kultur?
Doch es kommt noch schlimmer. Nachdem der Aufruf in "der Freitag" heftig kritisiert wurde schrieb Jakob Augstein dann am 15.09.09 an gleicher Stelle:
"Der Universalismus der Menschenrechte droht unter den Bedingungen des globalen Kapitalismus leicht zum Kultur-Imperalismus zu werden."
Ich habe selten etwas so unglaublich dummes und zynisches gelesen. Wie sehr kann man all die Menschen, die nicht das Glück haben, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, verhöhnen? Dieser Satz ist ein Schlag in die Gesichter all jener Menschen, die in einem der vielen Staaten mit unterdrückerischen Regimen dafür kämpfen, wenigstens ein klein wenig der Freiheit zu erlangen, die für uns selbstverständlich ist.
Donnerstag, 17. September 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)


0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen