Freitag, 14. Mai 2010

Alle Jahre wieder

Wie schon in den vergangenen Jahren erblöden sich die Veranstalter des Chimsee Reggae Summer auch dieses Jahr wieder, jamaikanische Hass-Sänger einzuladen, die in ihren Liedern zur Ermordung von Homosexuellen aufrufen.
So soll in diesem Jahr wieder einmal Sizzla auf der Bühne stehen. Die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten "Künstler" muss den Veranstaltern sehr schwer fallen, den bei genauerer Betrachtung ist die jamaikanische Reggae-Kultur mit ihrem stark alttestamentarischen Bezug wahrscheinlich insgesamt nur schwer mit einer aufgeklärten, freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft vereinbar. Und so fanden sich in der Vergangenheit denn auch die abenteuerlichsten Begründungen, sogar in der NZZ, warum Sänger wie Sizzla oder Elephant Man trotz ihrer gewaltverherrlichenden Texte in Europa auftreten sollten.
Meist wurde gesagt, Jamaika habe halt eine andere Kultur, wir Europäer hätten kein Recht uns in jamaikanische Angelegenheiten einzumischen und die ganz schlimmen Sachen würden in Europa ja gar nicht aufgeführt. Gemeint war: Wir finden die Musik geil, ihr scheiß Schwuchteln haltet die Klappe.
Dieses Jahr haben sich die Veranstalter des Reggae Summer etwas neues einfallen lassen: Es geht nicht mehr um das ureigene Recht der Jamaikaner Schwule zu ermorden (was eben nicht nur in Liedtexten sondern auch in Wirklichkeit geschieht), sondern um die Meinungsfreiheit. Ja am Chiemsee sorgt man sich um unsere deutsche Verfassung, die offensichtlich mit Mordaufrufen gegen Schwule verteidigt werden muss.
Doch liebe Veranstalter des Chiemsee Reggae Summer: Niemand möchte Sizzla oder irgend einem anderen dieser beschränkten Deppen vorschreiben, Schwule gut zu finden. Herr Sizzla darf über Schwule denken und auch sagen was er möchte.
Es besteht jedoch ein Unterschied zwischen einer Meinungsäußerung und einem Aufruf zur Gewalt. Das eine ist ein Grundrecht, das andere erfüllt den Straftatbestand der Volksverhetzung. Deshalb hat es nichts mit künstlerischer Freiheit und dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu tun, wenn Sizzla auf einer europäischen Bühne steht. Wenn Sizzla seinen Dreck in Jamaika aufführen darf, ist das schlimm genug. Auf einer europäischen Bühne hat er ebenso wenig etwas verloren wie irgendwelche Neonazi-Bands oder Rapper, die zu Gewalt aufrufen.