Sowohl Europa als auch die USA sind derzeit mal wieder weitestgehend mit sich selbst beschäftigt - da nutzt die Türkei die Gunst der Stunde um die eigene Macht im Mittelmeerraum auszubauen. Mit erstaunlich geringem Medienecho weist die Türkei den Israelischen Botschafter aus und kündigt jetzt auch noch an, eine nächste "Hilfsflotte" mit Militärschiffen zu begleiten.
Soweit in den deutschsprachigen Medien überhaupt von der Entwicklung Notiz genommen wird, werden die von türkischen Islamisten und Neonazis gecharterten und mit Pharmaabfällen beladenen Schiffe tatsächlich immer noch als Hilfsschiffe bezeichnet. Über das Verhalten der Türkischen Regierung scheint sich niemand zu wundern.
Während die Initiatoren der Gaza-Schiffe offen sagen, es sei ihnen ausschließlich um die Provozierung einer militärischen Reaktion Israels gegangen, um Israel in den Medien zu diskreditieren - was ihnen ja gelungen ist - erweitert Erdogan die angebliche Unterstützung der Palästinenser jetzt noch um die Komponente "Ressourcen". Man wolle die einseitige Ausbeutung der Ressourcen im östlichen Mittelmehr durch Israel unterbinden. Da braucht ein Volk offenbar Raum.
Die Palästinenser werden ein weiteres Mal von einem "islamischen Brudervolk" für außenpolitische Zwecke missbraucht. Denn ebenso wie allen anderen islamisch geprägten Ländern der Region, die vorgeben die Palästinenser zu unterstützen, dient der Konflikt zwischen Israel und Gaza auch der Türkei nur dazu, von innenpolitischen Problemen abzulenken oder die eigenen Hegemonialansprüche zu unterstreichen. Während die Welt gebannt nach Nordafrika schaut, entsteht mit der Türkei, einer aufstrebenden Wirtschaftsnation mit junger Bevölkerung und hohem Wachstum, ein neues Machtzentrum.
An der Spitze ein knallharter Machtpolitiker, der religiösen Fanatismus und militärische Drohgebärden benutzt, um der Türkei Geltung zu verschaffen. In Europa hingegen regieren Politiker, die noch immer in den 90er-Jahren leben und glauben, die Türkei mit einem möglichen EU-Beitrit an der Leine halten zu können. Dabei hat Erdogan längst unmissverständlich klar gemacht, dass er weder an Demokratie noch an Europa auch nur das geringste Interesse hat.
Donnerstag, 8. September 2011
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